Gemeinde ruft zum sparsamen Wasserverbrauch auf


Die anhaltende Trockenheit macht sich zunehmend auch bei der Trinkwasserversorgung in der Region bemerkbar. Nachdem die Gemeinde Wölfersheim bereits Ende Juni aufgrund der hohen Temperaturen und des Spitzenlastbetriebs bei der OVAG zu einem sorgsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen hatte, verschärft sich die Situation nun weiter. Die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) hat die Gemeinde darüber informiert, dass aufgrund sinkender Grundwasserstände die Fördermengen regional eingeschränkt und die für Wölfersheim vorgesehenen Liefermengen schrittweise reduziert werden müssen. Ab dem 1. September 2026 wird der sogenannte Stufenplan der OVAG von bislang Stufe 5 auf Stufe 6 angehoben. Zum 1. Oktober ist eine weitere Anhebung auf Stufe 7 vorgesehen, die nach derzeitiger Planung bis zum Jahresende gelten soll. Der Stufenplan hat im Jahr 2024 die frühere OVAG-Wasserampel abgelöst und ermöglicht eine abgestufte Reaktion auf Veränderungen bei der Verfügbarkeit des Grundwassers. Stufe 5 entsprach bislang einer ausreichenden Grundwasserverfügbarkeit. Mit den kommenden Stufen stehen der Gemeinde entsprechend geringere Liefermengen zur Verfügung. Noch besteht damit kein Trinkwassernotstand. Die Entwicklung macht jedoch deutlich, dass ein sparsamer Umgang mit der Ressource Wasser notwendig ist. Die Gemeinde Wölfersheim bittet deshalb alle Bürgerinnen und Bürger, vermeidbare Trinkwasserverbräuche zu reduzieren. Ziel ist es, mit freiwilligen Einsparungen dazu beizutragen, dass strengere Einschränkungen gar nicht erst notwendig werden. Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren Die aktuelle Entwicklung kommt nicht überraschend. Bereits Ende Juni hatte die OVAG die Gemeinde darüber informiert, dass sich ihre Versorgungsanlagen aufgrund der hohen Temperaturen und des stark gestiegenen Wasserverbrauchs im Spitzenlastbetrieb befanden. Trotz dieser außergewöhnlichen Belastung konnte die Nachfrage zunächst vollständig gedeckt werden. Seitdem hat sich die Situation jedoch nicht grundlegend entspannt. In einigen Gewinnungsgebieten wurden inzwischen Grenzgrundwasserstände erreicht, weshalb die Förderung regional deutlich eingeschränkt werden muss. Auch die Messwerte aus Wölfersheim zeigen, wie außergewöhnlich trocken die vergangenen Monate waren. Seit Mai wurden an den gemeindeeigenen Wetterstationen insgesamt lediglich rund 77 Millimeter Niederschlag gemessen, weniger als die Hälfte als im langjährigen Mittel. Welche Auswirkungen die Trockenheit bereits hat, zeigt sich beispielsweise in Wohnbach. Dort mussten die öffentlichen Brunnen vorübergehend abgeschaltet werden, weil nicht mehr genügend Wasser in die Brunnenschächte nachläuft, um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Die Brunnen sollen erst wieder eingeschaltet werden, wenn sich die Situation verbessert und ausreichend Wasser nachströmt. Trockenheit ist damit längst nicht mehr nur an ausgedörrten Rasenflächen oder niedrigen Wasserständen in Bächen zu erkennen. Sie wirkt sich zunehmend auch auf Grundwasser, Brunnen und damit auf die Wassergewinnung aus. Maßnahmen zeigen Wirkung - weitere Anstrengungen notwendig Positiv ist, dass die von der Gemeinde bereits eingeleiteten Maßnahmen erste Wirkung zeigen. Die OVAG hat das Abnahmeverhalten Wölfersheims ausgewertet und der Gemeinde ausdrücklich bestätigt, dass die im bisherigen Stufenplan vorgegebenen Wassermengen weitgehend eingehalten wurden. Die eingeleiteten Maßnahmen seien offenbar wirksam gewesen, heißt es in dem Schreiben. Die Anhebung des Stufenplans erfolgt daher nicht aufgrund eines außergewöhnlich hohen Verbrauchs allein in Wölfersheim, sondern aufgrund der angespannten regionalen Situation bei den verfügbaren Wasserressourcen. Gerade deshalb kommt es darauf an, die bisherigen Einsparungen fortzuführen und möglichst weitere Potenziale zu nutzen. Dies ist notwendig, um die Trinkwasserversorgung auch unter den erschwerten Bedingungen aufrechterhalten zu können. Gemeinde überwacht Netz und sucht kontinuierlich nach Verlusten Neben dem Appell an die Bevölkerung arbeitet die Gemeinde selbst kontinuierlich daran, den Wasserverbrauch und insbesondere unnötige Verluste zu reduzieren. Das Trinkwassernetz wird bereits seit einigen Jahren laufend überwacht. Um Veränderungen künftig noch schneller erkennen und genauer auswerten zu können, wurden zusätzliche digitale Messmöglichkeiten installiert. Bereits heute ermöglichen vorhandene Messeinrichtungen, ungewöhnliche Verbrauchsentwicklungen frühzeitig festzustellen. Besteht der Verdacht auf eine Leckage, wird diese zunächst eingegrenzt und anschließend möglichst genau geortet. Zusätzlich kommen mobile Leckortungssysteme zum Einsatz. Sie können über Schall Veränderungen des Wasserdurchflusses feststellen. Sinkt der Durchfluss während der Nacht erwartungsgemäß, spricht dies für einen normalen Verbrauchsverlauf. Bleibt er dagegen ungewöhnlich konstant, kann dies auf eine Leckage oder einen dauerhaften Wasserverbrauch hindeuten. Wie Wassermeister Roland Wagner berichtet, lassen sich auf diese Weise beispielsweise auch nachts laufende Bewässerungscomputer und ähnliche Dauerverbraucher erkennen. Im normalen Betrieb dient die Technik vor allem der Suche nach Leckagen. Sollte es tatsächlich zu einem Trinkwassernotstand kommen, könnte sie jedoch auch dabei helfen, ungewöhnlich hohe oder dauerhafte Verbräuche schneller festzustellen. Jeder vermiedene Kubikmeter Verlust trägt dazu bei, wertvolles aufbereitetes Trinkwasser zu erhalten. Gemeinde reduziert eigenen Verbrauch Auch bei den kommunalen Einrichtungen wird Wasser eingespart. Die Bewässerung der Sportplätze wurde auf das notwendige Minimum reduziert. Vollständig auf eine Bewässerung zu verzichten, wäre allerdings nicht in jedem Fall sinnvoll: Trocknen die Flächen vollständig aus und wird die Grasnarbe dauerhaft beschädigt, können erhebliche Folgekosten für eine spätere Wiederherstellung entstehen. Ziel ist deshalb ein möglichst geringer Verbrauch, der gleichzeitig größere Schäden an den Anlagen verhindert.Wasserspielgeräte auf den gemeindlichen Spielplätzen wurden außer Betrieb genommen. Auch die Feuerwehr wurde gebeten, bei Übungen derzeit kein Trinkwasser aus dem öffentlichen Leitungsnetz zu entnehmen. Bereits in der Vergangenheit wurden Maßnahmen umgesetzt, um den Verbrauch dauerhaft zu senken. So hat die Gemeinde 2021 neue Systeme für die Sportplatzbewässerung angeschafft, mit denen die benötigten Wassermengen reduziert werden konnten. Brunnenwasser statt Trinkwasser: aber auch dort mit Augenmaß Ein wichtiger Baustein der Wölfersheimer Strategie ist es, für bestimmte Anwendungen Alternativen zum aufbereiteten Trinkwasser anzubieten. In den vergangenen Jahren wurden daher öffentliche Entnahmestellen geschaffen beziehungsweise erhalten, an denen Wasser beispielsweise für die Gartenbewässerung zur Verfügung steht. Zu diesen Angeboten zählt unter anderem die Entnahmestelle am Weidenhof. Das Netz solcher Möglichkeiten soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Beim Neubau der Turnhalle in Södel ist beispielsweise eine weitere Entnahmemöglichkeit vorgesehen. Wo öffentliche Brunnen und Entnahmestellen zur Verfügung stehen, können sie insbesondere für die Bewässerung von Gärten, Bäumen oder Streuobstwiesen eine Alternative zum Trinkwasser aus der Leitung sein. Allerdings gilt auch dort ausdrücklich: Brunnenwasser ist keine unbegrenzt verfügbare Ressource. Die Situation in Wohnbach zeigt dies besonders deutlich. Dort musste die Entnahme wegen des zu geringen Wasserzulaufs bereits eingestellt werden. Auch an den noch verfügbaren Entnahmestellen sollte daher nur so viel Wasser geholt werden, wie tatsächlich benötigt wird. Wasser aus Bächen und Flüssen ist keine Alternative Nicht zulässig ist derzeit hingegen, auf Wasser aus Bächen und Flüssen auszuweichen. Der Wetteraukreis hat aufgrund der Trockenheit bereits zum 25. Juni die Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern weitgehend untersagt. Die Allgemeinverfügung gilt nach derzeitiger Regelung bis einschließlich 31. Oktober 2026. Hintergrund sind die stark gesunkenen Pegelstände und die Belastung der Gewässerökosysteme. Jeder kann mit einfachen Maßnahmen helfen Im Mittelpunkt steht derzeit ausdrücklich der freiwillige und verantwortungsvolle Umgang mit Trinkwasser. Dabei geht es nicht darum, auf notwendige Wassernutzung im Alltag zu verzichten. Trinken, Körperpflege, Kochen, Waschen und die hygienisch notwendige Nutzung haben selbstverständlich Vorrang. Gerade bei größeren vermeidbaren Verbräuchen besteht jedoch Einsparpotenzial. Auf das intensive Bewässern von Rasenflächen mit Trinkwasser sollte möglichst verzichtet werden. Pflanzen sollten gezielt und möglichst in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden gegossen werden, wenn weniger Wasser verdunstet. Wo Regenwasser aus Zisternen oder Regentonnen beziehungsweise Wasser aus geeigneten öffentlichen Entnahmestellen zur Verfügung steht, sollte dieses bevorzugt genutzt werden. Auch das Befüllen großer Pools, das Abspritzen von Hofflächen oder das Waschen von Fahrzeugen mit Trinkwasser sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Kleinere Einsparungen im Haushalt ergänzen diese Maßnahmen. Entscheidend ist dabei vor allem die Summe der Beiträge vieler Haushalte. Freiwilliges Sparen soll Verbote vermeiden Der aktuelle Aufruf ist noch von verpflichtenden Einschränkungen zu unterscheiden. Die Gemeinde setzt zunächst darauf, dass die benötigten Einsparungen gemeinsam und freiwillig erreicht werden können. Sollte die Trinkwasserversorgung jedoch tatsächlich gefährdet sein, stehen der Gemeinde weitergehende rechtliche Instrumente zur Verfügung. Bereits 2021 wurde in Wölfersheim die Einführung einer Gefahrenabwehrverordnung zur Einschränkung des Wasserverbrauchs bei Notständen in der Wasserversorgung beschlossen. Die darin vorgesehenen Regelungen unterscheiden zwischen einer Trinkwasserknappheit und einem Trinkwassernotstand. Bei einer Trinkwasserknappheit können bereits bestimmte größere Verbräuche eingeschränkt werden. Dazu zählen beispielsweise die Bewässerung größerer privater Rasen- und Grünflächen mit Trinkwasser, das Befüllen großer privater Schwimmbecken oder das Auffüllen privater Zisternen aus der öffentlichen Trinkwasserleitung. Bei einem Trinkwassernotstand wären die Einschränkungen wesentlich umfangreicher. Dann könnte unter anderem die Verwendung von Trinkwasser zur Gartenbewässerung, für Rasen- und Grünflächen, zum Betrieb von Wasserspielanlagen und Schwimmbecken, zur Reinigung verschiedener Flächen oder zum Waschen von Fahrzeugen untersagt werden. Darüber hinaus könnten weitere Einschränkungen bis hin zu zeitlich festgelegten Sperrzeiten angeordnet werden. Verstöße gegen die in der Verordnung vorgesehenen Verbote können als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden; vorgesehen sind Geldbußen von bis zu 5.000 Euro. Genau diese Situation möchte die Gemeinde möglichst vermeiden. Der jetzige Appell ist deshalb auch als Vorsorgemaßnahme zu verstehen. „Je stärker es gelingt, den Wasserbedarf schon jetzt auf das notwendige Maß zu begrenzen, desto größer ist die Chance, auch längere Trockenperioden ohne verbindliche Verbote bewältigen zu können,“ unterstreicht Bürgermeister Eike See. Wasser bleibt eine gemeinsame Aufgabe Die aktuelle Situation zeigt zugleich, dass die Sicherung der Trinkwasserversorgung nicht allein eine Aufgabe des Wasserversorgers oder der Kommune ist. Die Gemeinde kann Leitungsnetze überwachen, Leckagen suchen, eigene Verbräuche reduzieren und alternative Entnahmemöglichkeiten schaffen. Die OVAG kann ihre Gewinnungsanlagen steuern und die vorhandenen Grundwasserressourcen möglichst nachhaltig bewirtschaften. Entscheidend bleibt jedoch auch der Verbrauch in den Haushalten, Betrieben und Einrichtungen. Die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate wird deshalb weiterhin genau beobachtet. Die Gemeinde steht mit der OVAG in Kontakt und überwacht gleichzeitig die Situation im eigenen Trinkwassernetz. Sollten weitere Maßnahmen erforderlich werden, wird darüber informiert. Bis dahin setzt die Gemeinde Wölfersheim auf einen gemeinsamen und vernünftigen Umgang mit der Ressource Wasser. „Die vergangenen Wochen haben deutlich gemacht: Wasser kommt zwar weiterhin zuverlässig aus dem Hahn, selbstverständlich und unbegrenzt verfügbar ist es deshalb aber nicht. Deshalb müssen wir Trinkwasser dort nutzen, wo es wirklich benötigt wird, Alternativen dort einsetzen, wo sie sinnvoll zur Verfügung stehen, und unnötigen Verbrauch vermeiden.“ schließt Bürgermeister Eike See ab.