Zur Geschichte

Die Gemeinde Wölfersheim besteht seit Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts aus den ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Ortsteilen Wölfersheim, Södel, Melbach, Wohnbach und Berstadt.

Das Wappen

Auf blauen Felde befindet sich eine Mauer mit drei Zinnentürmen. Aus dem Zinnekranz wächst ein Falke ohne Krallen über dem dann zwei nebeneinander gestellte Schilder schweben. Links das Trierer Kreuz, rechts der geteilte Falkensteinische-Münzenbergische Schild in rot-gelb (entgegen anderer Deutungen).

Das Trierer Kreuz bezieht sich auf den letzten Ortsherrn aus dem Falkensteinischen Geschlecht, Werner von Falkenstein, der zugleich Erzbischof von Trier war. Er starb 1418 kinderlos. Das Wölfersheimer Wappen ist umschriftet mit den Worten „Silligium opidi Wolffersheim“ (Die Stadt Wölfersheim).

Das Wölfersheimer Wappen wurde am 28. März 1973 vom Hessischen Ministerium des Innern in Wiesbaden genehmigt und wird im „Hessischen Wappenbuch“ unter Nr. 594 und auch im Sammelwerk „Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland“ geführt.

Das Wappen des Ortsteils Wölfersheim wurde, nach der Eingemeindung von Södel, Melbach, Wohnbach und Berstadt durch die hessische Gebietsreform, für die gleichnamige Gemeinde übernommen und die Berechtigung zur Führung von Wappen, Dienstsiegeln und eventuellen Fahnen der anderen Ortsteile ist erloschen.

Wölfersheim

Ortsteil Wölfersheim, dessen erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1128 erfolgte, unter der Bezeichnung Vulfersheim auch Vuleursheim – ist aber viel älter. Das wird durch die Tatsache erhärtet, dass es als Kleinsiedlung (Wüstung) in einem Römerstraßen-Dreieck in der fruchtbaren Wetterau existent war. Auch ist bekannt, dass der Erzbischof von Mainz in Wölfersheim schon vor dem 11. Jahrhundert Hofbesitz hatte, der nach 1123 den drei Klöstern in Ilbenstadt übereignet wurde. Die ehemaligen Wölfersheimer Stadtrechte werden durch ein Siegel von 1331 bestätigt. S-opidi Wölfersheim. Schon vor diesem Zeitpunkt ging Wölfersheim in den Besitz der Falkenstein-Münzenberger über, die gleichzeitig Bischöfe von Trier waren. Die Falkensteiner sind 1418 ausgestorben. Im Jahre 1419 wurden die Solmser rechtmäßige Erben. 1423 teilten diese die Erbschaft mit dem Braunfelser Fürstenhaus, bis 1436 die Braunfelser alleinige Herrscher über den ehemaligen Falkensteiner östlichen Teil wurden, einschließlich Wölfersheim. Durch die Meditatisierung 1806 wurde Wölfersheim dem Großherzog Hessen-Darmstadt unterstellt. Mächtige Mauern mit ihren vier Wehrtürmen, bemerkenswerte Fachwerkhäuser und kunstvoll geschnitzte Pfosten, Füllbretter und Inschriften und der 1717 auf den Grundmauern eines Schlosses erbauten spätgotischen Saal-Kirche, die bis zu 1000 Gläubigen Platz bietet, sind noch heute bemerkenswerte Baudenkmäler.

Södel

Ortsteil Södel wird erstmals in der Zeit Karls des Großen erwähnt. Das Kloster Ilbenstadt hatte zu jener Zeit die "Gerechtsame zu Sodila". Um das Jahr 1000 gehörte Sodila zum Erzbistum Mainz, das seine Rechte (Zehntsteuer usw.) an das Kloster Ilbenstadt übertrug, wie aus zwei Urkunden aus den Jahren 1149 und 1186 hervorgeht. Dafür sorgte das Kloster für die Unterhaltung der Kirche, deren Reste noch im Ostteil des heutigen Gotteshauses erhalten sind (die Fundamente und die gotischen Fenster).
Diese Kirche zu St. Martin in Sodila war zugleich Mutterkirche für Wölfersheim. Sodila, erstmals mit seinem mittelalterlichen "Pappenheimischen Burghof", der später "Fürstlich Lichscher" Besitz, dann Gemeindeeigentum und jetzt in privater Hand ist, hatte immer eine rege handels- und gewerbetreibende Bevölkerung. Weltlicher Herr des Dorfes wurde 1271 Werner von Falkenstein, Burgherr zu Münzenberg. Nach deren Aussterben kam es zu den Solms-Lichscher Herrschern und 1806 an das Großherzogtum Hessen.

Melbach

Ortsteil Melbach, früher Melpac, über 1000 Jahre alt, wechselte im Laufe der Jahrhunderte oftmals seinen Besitzer und kam 1806, wie so viele umliegende Gemeinden, unter die Hoheit des Großherzogtums Hessen. Seit 1341 wurden unter der Gerichtslinde, die noch heute vor der Kirche steht, sogenannte Hubnergerichte abgehalten. Die Gerichtsordnung selbst ist als wertvolles Buch dem Wölfersheimer Gemeindearchiv erhalten. Das Wahrzeichen des Dorfes ist der "Haag", ein Hügel, der von Menschenhand vor uralten Zeiten zusammengetragen wurde und vermutlich aus chattischer Zeit stammt. Es waren vor allem die Herren "von Carben", die als älteste Burgmannen und vor allem als Burggrafen der Reichsburg Friedberg das Freie Gericht in Melbach als Reichspfandschaft besaßen.

Wohnbach

Ortsteil Wohnbach ist eine sehr alte Siedlung – hieß früher Wanabach – und bringt seinen Existenznachweis aus dem Jahre 771 n. Chr. durch den Lorscher Codex. Die Siedlung Wanabach gehörte schon in der Römerzeit zu deren Einflußsphäre, was durch viele prähistorische Merkmale noch heute festzustellen ist. Wohnbach hat oftmals seine Herren gewechselt. Bis 1679 gehörte es den Grafen Solms-Lich. Dann erwarb es Reichsfreiherr Riedesel-Eisenbach, 1683 wurde Wohnbach an den Landgrafen von Hessen-Homburg verkauft, in dessen Besitz es nur zwei Jahre blieb und 1685 an den Freiherrn von Erlenkamp überging. 1702 fiel es an das Gräfliche Haus Solms-Laubach und wurde nach Aufhebung der Standesherrschaft Anfang des vorigen Jahrhunderts hessisch.

Berstadt

Ortsteil Berstadt, früher Berthenstadt, gehörte im Mittelalter zur "Fuldischen Mark". Die Siedlung ist in früherer Zeit durch ihre Römersiedlung, Adelshöfe, dem Königshof und einer Wasserburg bekannt. Die Gemeinde war vor 1170 Mittelpunkt der Wetterau, das beweisen die Kaiserbesuche von Heinrich III. (1039 – 1056) und dessen Sohn, Heinrich IV. (1056 – 1106). Der Name bedeutet "Zur Stätte der Berchte". Er läßt darauf schließen, daß sich in vorgeschichtlicher Zeit hier ein Heiligtum einer germanischen Gottheit befand. Um das Jahr 800 sind die ersten Schenkungen an das Kloster Fulda nachweisbar. Ab 1651 gehörte Berstadt zur Landgrafenschaft Hessen-Bingenheim und etwa ab 1682 zur Landgrafenschaft Hessen-Darmstadt.