See-Gutachten liegt vor: Millioneninvestitionen erforderlich

26.02.2016

Seit wenigen Tagen liegt ein Gutachten im Wölfersheimer Rathaus, das Bürgermeister Rouven Kötter Sorgenfalten auf die Stirn treibt: „Um die Wasserqualität des Wölfersheimer Sees nachhaltig zu verbessern, haben wir ein umfangreiches Gutachten in Auftrag gegeben. Das Wasser wurde über einen längeren Zeitraum regelmäßig überprüft und im Labor untersucht.“ Nun liegt die Auswertung des Diplom-Biologen Ingo Kramer vom Büro Fluvalis vor, inklusive Vorschläge zur Gewässertherapie. Die Kernbotschaft ist einfach, aber schmerzhaft: So lange die Kläranlage das geklärte Abwasser in den See leitet, kann man sich Belüftungsmaßnahmen und ähnliches sparen. Das Hauptaugenmerk muss darauf liegen, dem See künftig das geklärte Abwasser zu ersparen. „Belüftung ist wie eine Kopfschmerztablette, die kurzzeitig wirkt. Sie stellt jedoch nicht die Ursache der Kopfschmerzen ab. Richtig gesund wird man –egal ob als Mensch oder als See- jedoch nur, wenn man sich um die Ursachen und nicht um die Symptome kümmert. Im Übrigen müsste die Kopfschmerztablette noch erfunden werden, die unserem See seine Schmerzen nimmt.“ so der Wölfersheimer Rathauschef.

 


Da die Kläranlage als Hauptursache schon zu erahnen war, hatte der Gemeindevorstand parallel ein Gutachten zur Bewertung der Kläranlagensituation in Auftrag gegeben. Dieses liegt noch nicht im notwendigen Detaillierungsgrad vor, aber die Ansätze lassen schon klar erkennen: Ein günstiges Vorhaben wird das nicht. „Egal, ob wir unsere Kläranlage technisch aufrüsten und das Abwasser um den See herum leiten oder unsere Kläranlage schließen und das Abwasser nach Berstadt und von dort aus nach Utphe pumpen – wir sprechen von Investitionskosten in Millionenhöhe.“ erläuterte Kötter in der jüngsten Sitzung der Wölfersheimer Gemeindevertretung. Noch nicht beleuchtet wurde, welche Auswirkungen eine Umleitung um den See für die anschließenden Gewässer in der Gemarkung Echzell hätten. „Wir wollen unsere Probleme nicht nach St-Florians-Prinzip verlagern, sondern lösen. Daher muss gerade in diesem Punkt noch nachgearbeitet werden. Außerdem wurde noch nicht in der erforderlichen Tiefe überprüft, welche Investitionskosten bei der Kläranlage in Utphe anfallen würden. Erst wenn all diese Daten vorliegen, können wir die Gutachter in den Bauausschuss einladen und gemeinsam beraten, wie wir vorgehen wollen. Damit die entsprechenden Gelder im Doppelhaushalt 2017/2018 eingestellt werden können, muss sich der Bauausschuss noch vor der Sommerpause dieses Jahres damit beschäftigen.“ gibt Kötter einen groben Zeitplan vor. Eines hat sich deutlich bestätigt: Zur Nachhaltigen Verbesserung der Wasserqualität gibt es keine schnellen und keine günstigen Lösungen. „Voreilig ausgegebenes Geld hätte schnell verloren gewesen sein können. Es ist wichtig, dass wir die Problemlage zunächst von allen Seiten beleuchten. Für gute Entscheidungen braucht man vollständige und professionell aufbereitete Informationen. Die Gemeindevertreter und Gemeindevorstände der aktuellen Legislaturperiode haben mit ihren Beschlüssen dafür gesorgt, dass diejenigen der neuen Periode eine gute, fundierte Entscheidungsbasis erhalten werden. Leicht wird diese Entscheidung aber sicherlich nicht werden, denn es geht einerseits um sehr viel Geld und andererseits um unsere Naherholungsperle.“ gibt Bürgermeister Kötter einen Ausblick.