Gänsehaut und Funkelaugen

26.07.2017

Musik ist einfach Geschmackssache. Manch einer mag es härter und andere wieder sanft. Jedermanns Geschmack treffen kann man sicherlich nicht. Umso seltener ist es, dass bei einer Veranstaltung alle Besucher von den Künstlern und ihrer Musik begeistert sind und mit funkelnden Augen nach Hause gehen. Genau das war am vergangenen Samstag bei Freies im Gesang in der Wölfersheimer Marktscheune der Fall.

 

Wer am vergangenen Samstag zum ersten Mal zu Gast bei Freies im Gesang war, der wird mit Sicherheit im nächsten Jahr wiederkommen. Das besondere Ambiente und die einzigartigen musikalischen Momente waren ein Garant dafür, dass der Abend noch lange in Erinnerung bleibt. Offiziell eröffnet wurde das Programm gemeinsam vom ehemaligen Schulleiter Thomas Gerlach und dem Kulturbeauftragten Sebastian Göbel mit einem Song von Hannes Wader. Gemeinsam begrüßten die beiden Musiker und Besucher mit den gesungen Worten "Gut wieder hier zu sein, gut Euch zu sehn".  In seinem kurzen Grußwort dankte Göbel allen Unterstützern der Veranstaltung, darunter dem Eltern-Kind-Verein, der die Bewirtung übernommen hatte, der Sparkasse-Oberhessen, der OVAG-Gruppe und der Traditionsbäckerei Hinnerbäcker als Sponsoren und natürlich den Musikern für ihre Unterstützung. Er übergab das Mikrofon an Gerlach, der den Abend als alter Hase einleitete. Seine Songs kann man eher den klassischen Liedermachern zuordnen. Viele davon hat er aus einem bestimmten Anlass geschrieben. Anlass für seinen ersten Song war seine eigene "musikalische" Geschichte. Wer Gerlach kennt, der weiß, dass die Textzeile "All die Jahre lang, höre ich die Lieder meines Lebens" nicht nur dahingesungen sind. Zu verschiedenen Anlässen begeisterte er in den vergangenen Jahren auch privat mit eigenen Liedern. Den Song "Kleiner Mann" schrieb Gerlach beispielsweise zur Geburt seines Enkels. Nach Gerlachs Auftritt übernahm Moderator Andreas Arnold, der zum zweiten Mal durch das Programm führte und die extrem kurzen Umbaupausen nutzte um die folgenden Künstler anzusagen. So auch bei Johannes Napp aus Butzbach, der bislang eher als Gitarrist des Upright Trios und verschiedenen anderen Formationen in Erscheinung getreten war. Bereits nach den ersten Tönen seines ersten Titels war einem klar, dass in Napp noch weitaus mehr steht. Mit ruhigen Tönen und sanfter Stimme schaffte er es in kürzester Zeit die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.
Ebenfalls erstmals bei Freies im Gesang zu Gast war Kathrin Kempf aus Offenbach. Mit ihrer rauchigen Independent-Stimme, Akustikgitarre und Mundharmonika zauberte sie den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht. Spätestens bei ihrem Song "In my house", bei dem sie von Frank Albersmann an der E-Gitarre und Marie Schwind im Backgroundgesang begleitet wurde, lauschte ihr jeder der Zuhörer mit Gänsehaut. Ihr folgte eine inzwischen bekannte Größe der Wetterauer Songwriter, Yannick Di Mari. Di Mari begleitete sich selbst auf der Gitarre und sang dazu mit seiner klaren und sanften Stimme. Spielte er im vergangenen Jahr hauptsächlich englischsprachige Songs, standen in diesem Jahr deutsche Texte im Fokus. Vergangenheit und Gegenwart griff er dabei auf poetische Weise auf. Bei seinen letzten Songs wurde er von Johannes Napp begleitet, der die Gitarre auf seiner CD eingespielt hat. Gerade solche musikalischen Konstellationen sind es, die man selten bei anderen Veranstaltungen erlebt. So war es auch bei Marie Schwind, die bei ihrem ersten Song "Himmel" von Sven Garrecht und seinem Violinisten begleitet wurde. Aber auch bei den darauffolgenden Songs schaffte sie es, die Zuhörer alleine mit sanften Gitarren- und Klavierklängen und ihrer verzaubernden Stimme zu begeisterten. Ihre sanften und tiefgründigen Lieder wechselten sich mit humorvollen und unterhaltsamen Stücken ab.
Nach einer kurzen Pause betrat Frank Albersmann die Bühne. Seine Musik beschreibt der Viernheimer selbst als "Brüllbartmusik". Wer hier unkoordinierten Krach erwartete, wurde bereits im vergangenen Jahr eines besseren belehrt. Mit kraftvoller Stimme und gekonnt gespielter Gitarre bot Albersmann eine unglaubliche Dynamik und fesselnde Bühnenpräsenz. Dass man eine akustische Gitarre sehr wohl auch verzerrt spielen kann und wie sie die sauberen Stahlseitenklänge sinnvoll ergänzt, demonstrierte er auf beeindruckende Weise. Auf anspruchsvolle Texte folgte der niveaulose Schulhofgesang von Torben Skorbinski, der von seinem Cajonisten Nico begleitet wurde. Auch diesmal wechselten sich wieder absolut begeisterte Zuhörer und entsetzte Gesichter ab. Letztere stellten diesmal jedoch die Minderheit dar, denn inzwischen ist jedem klar, dass Akkustikpunks nunmal so sind... Als letzter Gast stand Sven Garrecht aus Seligenstadt mit seiner Band auf der Bühne der Marktscheune. Mit Piano, kleinem Drumset, E-Gitarre, Bass und Multiinstrumentalisten, der zwischen Gitarre, Ukulele, Akkordeon und Violine wechselte, erntete er bereits beim ersten Song Beifallsstürme. Die anspruchsvollen Texte wurden von mehr als einfachen Harmonien untermalt. Raffinierte Arrangements, die von den Musikern auf den Punkt gespielt wurden, sorgten auch bei erfahrenen Musikern für Staunen und Anerkennung. Seine charmanten Moderationen rundeten das Auftreten der Band ab. Wenn das gesamte Publikum vom Po einer Politesse singt wird klar, wie sehr er die Zuhörer in den Händen hielt. Einfach zu Ende ging der Abend jedoch nicht. Es gehört inzwischen zur Tradition, dass zum Ende nochmals alle Musiker gemeinsam einen Song auf der Bühne spielen. Mit einem lockeren "Always look on the bright side of life" verabschiedeten sich die Musiker nach einem fast vierstündigen Programm, das in der Region sicherlich seinesgleichen sucht. Wer das nicht glaubt muss nur einen der zahlreichen Zuschauer fragen oder kann sich demnächst in den aufgenommenen Videos auf Youtube davon überzeugen.
Bilder: Nina Gerlach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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